Napoleon war schuld!

Die Menschen in den Großstädten sind es schon gewöhnt. Aber hier am Land gibt es viele die sich darüber ernsthaft aufregen können. Besonders die älteren Semester können das nicht wirklich hören, wenn im gebührenzahlenden Fernsehprogramm die Rede ist von: „seien sie backstage direkt am dancefloor dabei“ oder „die talkshow in der primetime“.

Sie befürchten einen Niedergang der Sprachkultur, der umfassenden Ausdrucksmöglichkeit, die die deutsche Sprache bietet. Die einschleichenden englischen Wörter, meist mit einem Jugendtrend und Informationstechnik verbunden zerstören ihrer Meinung nach eine Sprachidentität.

Kann schon sein – aber Hallo? An die Senioren: „Was habt Ihr gemacht? Entschuldigung – nicht Ihr, sondern Eure – vieleicht Ur-Urgroßeltern. “

Dazu ein kleiner Aufsatz – lassen Sie ihn sich auf der Zunge zergehen:
Wörter, die bei uns in Verwendung sind und direkt aus der franz. Sprache kommen.

 

Franzose

Pardon, es gibt keine Dragées.
Ich habe es partout nicht glauben wollen, als mich der Portier des Ateliers vor langer Zeit aufmerksam gemacht hat, dass meine Garage vis-à-vis keine Drainage hat.
Jedesmal wenn im Hôtel daneben in der ersten Etage das Pissoir übergeht, habe ich das Malheur mit der Cloaque. Bei der Montage der Toilette und des Intérieurs wurde peu à peu eingespart. Das ist jetzt keine Bagatelle mehr. Die Bagage bringt mich noch in Rage.
Die glauben auch noch dazu, sie haben ein Prestige zu verteidigen. Der Koch nennt sich „Chef de Cuisine“ und meint er ist ein Gourmet und kennt weder Croissant noch Brioge. Er blanchirt (ohne e) den Spinat und glaubt es ist schon eine Sauce, schmeckt aber wie Silage. Aber jede Woche geht er zur Maniküre und hat ein tête-a-tête mit seiner luxurieusen Pédicure. Der Concierge, sein Cousin mit der komischen Visage – sitzt statt hinter seinem Équipement in der Réception, meist im Fauteuil unter der Marquise auf der Terrasse und trinkt seine Melange mit Cognac und zu Mittag eine Bouteille Merlot.
Zur Eröffnung hat mir ihr Chauffeur eine Bonbonnière vorbeigebracht mit einem Billet in einem lila Couverte. Sie hatten eine eigene Lounge mit Roulette und einem Croupier der beim Kartenspiel den Talon immer falsch gibt. Er ist mit dem Collier der Cousine des Chefs, einem Mannequin, mit einer Draisine, abgehauen. Nach einer Carambolage in der Remise wurde er damals von der Gendarmerie gefasst. Nach dem Toucher sass er länger mit einer Bandage in einem Établissement, welches das Régime bezahlt. Der Chef, der Filou, ist irgendwann verrückt geworden. Das war für alle ein Amusement. Er hat als Nackerter in der Nacht am Terreuse, gleich neben meinem Trottoir, balanciert. In der einen Hand ein Parapluie, in der anderen Hand ein Lavure. Jetzt lebt er in einer Dépendance der Ermitage gleich hinter der Passage zum Parlament. Nein, ich will mit diesem Milieu nichts zu tun haben das ist nur eine einzige Blamage.
Da gehe ich lieber auf ein Banquet, welches mein Friseur und Conférencier, ausrichtet. Wir flanieren auf einer Route durch die Allée zum Haus mit Charme, deren Contour sich schon von Weitem abzeichnet – es sieht aus wie eine Manège mit grüner Facade. Die Garcons servieren in Formation ein Filet, so gross wie ein Tablette. Im Salon und im Séparée sitzen Damen im Negligé auf dem Canapé und mit viel Rouge im Gesicht. Das Décolleté extraordinaire.  –  Merci.

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In diesem kurzen „Literarischen Kunstwerk“ sind 90 Wörter „verbaut“, die in Frankreich heute normal verwendet werden. Wenn Sie das verstanden haben, können Sie ruhig sagen: „Ich spreche auch französisch 😉 !“

Das war eine Invasion (übrigends auch franz.)  in eine Sprache, da ist das was die Jugend momentan daherschleift harmlos. Ok, ich weiß, unser Adel hat früher französisch gesprochen und auch mit Napoleon ist vieles mitgekommen.

Liebe Kritiker der engl. Wörter. Seien Sie gelassen, es wird sich ebnen, denn alles was aus dem Englischen daherkommt klingt nach Arbeit, Stress, Geld, Technik – auch die Jungen werden erkennen, dass der beste Schmäh immer noch in Deutsch rennt und alles andere sowieso in Französisch (z.B: Je t’aime).

Ein Kommentar

  • Sabine / Waidhofen an der Thaya

    Hallo, schöner Artikel.
    Wir verwendeten das „Literarische Kunstwerk“ als Gesellschaftsspiel. Einer liest relativ schnell vor und die anderen müssen mitzählen.
    Wer kommt näher hin? Ist lustig und mal was anderes.

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